Dezentralisierungspotenziale des Bundes: Zahlen und Fakten

von Christian Mayr und Yvonne Ohnewas
11.04.2017


Im Vergleich zu den Nachbarländern Deutschland und der Schweiz zeigt sich, dass Österreich in seiner Bundesverwaltung besonders zentralistisch organisiert ist. Beinahe alle Bundeseinrichtungen befinden sich in der Bundeshauptstadt Wien. Die Wertschöpfungs- und Beschäftigungseffekte der Bundesdienststellen kommen daher fast ausschließlich der Bundeshauptstadt zugute, was aus föderalistischer und struktureller Hinsicht zu hinterfragen ist.

Aus diesem Grund wurde der Versuch unternommen, ein fundiertes Datenmaterial zu erarbeiten, das eine vorläufige Einschätzung der Dezentralisierungspotenziale der Bundesverwal­tung ermöglichen und somit eine Grundlage für politische Diskussionen und Entscheidungen schaffen soll.

Wenn Transparenz nicht hält, was es verspricht

Trotz der Bemühungen des Bundes, durch Berichtspflichten – insbesondere gemäß Bundeshaushaltsgesetz (BHG) – Transparenz und damit die Nachvollziehbarkeit, die Sichtbarkeit und die Verfügbarkeit von Informationen und Wissen zu steigern, haben sich bei der Datenerhebung rasch Grenzen aufgezeigt. Die Erarbeitung einer Datenbasis, die diesen Anforderungen genügt, setzt entsprechende Datenquellen voraus. Einheitliche und damit vergleichbare Datenbestände (um eine hohe Datenqualität zu erzeugen) waren jedoch auf Basis öffentlich zugänglicher Dokumente nur anhand der Budgetunterlagen des Bundes möglich. Da die Budgetstruktur nicht bei allen Ressorts die tatsächliche Organisationsstruktur abbildet, konnten nicht für alle nachgeordneten Dienststellen Daten im Detail erhoben werden. Auch der Beteiligungsbericht zeigt eher überblicksartig (z.B. auf Holding-Ebene) die Personalressourcen der Ausgliederungen und Beteiligungen des Bundes.

Der Ausgangspunkt für die Erhebung

Die Datenerhebung zum Personalstand und Personalaufwand erfolgte daher primär anhand der Budgetdaten des Bundes (Teilhefte des Bundesfinanzgesetzes 2016 und 2017) und des Berichts gemäß § 42 Abs. 5 BHG 2013 zu den Ausgliederungen und Beteiligungen des Bundes (Stand: Oktober 2015). Personalkapazitäten, über die zwar der Bund verfügt, die aber nicht im Personalplan angegeben werden und sich somit nicht als Personalaufwand, sondern als Sachaufwand im Budget niederschlägt (dies betrifft insbesondere freie Dienstverträge und Arbeitskräfteüberlassungsverträge), konnten daher nicht berücksichtigt werden.

Daten zur Alters- und Qualifikationsstruktur der Bundeseinrichtungen zu beschaffen, stellte eine noch größere Herausforderung dar, da keine – zumindest öffentlich zugänglichen – Unterlagen existieren, die den oben dargestellten Anforderungen entsprechen würden. Die benötigten Kennzahlen wurden somit über einen Umweg erarbeitet, indem diese auf Basis der Studie „Hand­lungsfeld Demografie im Personalmanagement. Altersdaten und Fakten“ des Bundeskanzleramtes, Bundesministerin für Frauen und öffentlicher Dienst (2013) zumindest auf Ressortebene berechnet wurden.

Zahlen und Fakten

Unseren Erhebungen zufolge verfügt der Bund im Jahr 2015 über einen Personalstand von insgesamt 233.442 VBÄ, für den ein Aufwand in Höhe von 15.624 Mio. Euro zu tragen ist. Ausgehend von den Zahlen aus dem Jahr 2014, als die Zahl der VBÄ in den Zentralstellen bei 9.645 lag (Personalbericht des Bundes 2015), fallen insgesamt 95% des Personals in den nachgeordneten und ausgegliederten Bereich.

Der Personalstand des ausgegliederten Bereiches beträgt insgesamt 102.154 VBÄ, wobei der größte Anteil von insgesamt 84% in den Ressorts Wissenschaft, Forschung und Wirtschaft (BMWFW) sowie Verkehr, Innovation und Technologie (BMVIT) liegt. Die größte Ausgliederung gemessen am Personalstand sind die Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB), die dem BMVIT zugeordnet sind, mit 40.710 VBÄ. Das BMWFW weist aufgrund der Universitäten mit einem Personalstand von insgesamt 35.287 VBÄ den zweitgrößten ausgegliederten Bereich auf. Der restliche Perso­nalstand von 16.699 VBÄ verteilt sich auf ca. 80 weitere Ausgliederungen bzw. Beteiligungen des Bundes. Die größten Anteile daran haben das Arbeitsmarktservice (AMS) mit 5.287 VBÄ und der Konzern der ASFINAG mit 2.596 VBÄ.

Wie sich diese Personalkapazitäten geografisch verteilen, ist jedoch nicht bekannt und müsste in einem weiteren Schritt erarbeitet werden.

Alter und Qualifikation der Bundesbediensteten

Ein Blick auf die Altersstruktur des Bundes zeigt, dass das Alter des Bundes­personals überdurchschnittlich hoch ist. Über ein Drittel des Personals (gemessen an VBA) war im Jahr 2011 älter als 50 Jahre. Vor allem bei den Akademikerinnen und Akademikern ist der Anteil mit 45% (im Jahr 2011) besonders kritisch.

Mit über 30% stellen die Akademikerinnen und Akademiker die größte Qualifikationsgruppe im Bund dar. Insgesamt beschäftigte der Bund im Jahr 2011 42.120 Mitarbeiter/innen mit Hochschulabschluss (gemessen an VBÄ). Dieser hohe Anteil ist vor allem auf die Zusammensetzung der folgenden Berufsgruppen zurückzuführen: Richterinnen und Richter, Staatsanwältinnen und Staatsanwälte sowie ein Großteil der Lehrerinnen und Lehrer sind akademisch ausgebildet.

Das überdurchschnittlich hohe Alter des Bundespersonals lässt auch eine bevor­stehende „Pensionierungswelle“ in den nächsten Jahren erwarten. Insgesamt werden Pensionierungen in Höhe von 55.019 VBÄ im gesamten Bundesdienst erwartet, ein Anteil in Höhe von 42% gemessen am Gesamt­personalstand im Jahr 2011.

Vertiefende Untersuchungen notwendig

Die Datenerhebung war ein erster wichtiger Schritt zur Beleuchtung der Dezentralisierungsfrage von Bundeseinrichtungen, jedoch konnte hier nur an der „Oberfläche gekratzt“ werden. Um detailliertes Datenmaterial zur Operationalisierung weiterer Dezentralisierungs­potenziale zu erarbeiten, müssen darauf aufbauend vertiefende Untersuchungen durchgeführt werden.

Der Beitrag basiert auf der Studie des Institutes für Föderalismus „DEZENTRALISIERUNGSPOTENZIALE IN DER BUNDESVERWALTUNG. Zahlen und Fakten“ im Auftrag des Bundesministeriums für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft. Die Institut für Verwaltungsmanagement GmbH hat für diese Studie die Erhebungen über die Einrichtungen der Bundesverwaltung durchgeführt. Die hier dargestellten Erhebungsergebnisse sind nur ein beispielhafter Auszug.



Informationen zu Christian Mayr

MMag. Dr. Christian Mayr (Betriebswirtschaft) ist Prokurist und Senior Consultant bei der Institut für Verwaltungsmanagement GmbH sowie externer Lehrbeauftragter an der Universität Innsbruck. Tätigkeitsschwerpunkte sind öffentliche Finanzen und Haushaltswesen sowie Organisationsanalysen.




christian.mayr@verwaltungsmanagement.at

Informationen zu Yvonne Ohnewas

Mag. (FH) Yvonne Ohnewas (Public Management) ist Consultant bei der Institut für Verwaltungsmanagement GmbH. Tätigkeitsschwerpunkte sind öffentliche Finanzen und Haushaltswesen sowie Organisationsanalysen.

yvonne.ohnewas@verwaltungsmanagement.at


Ihr Name


Ihre E-Mailadresse


E-Mailadresse des Empfängers


Nachricht





Kommentare

Derzeit keine Kommentare zu diesem Artikel vorhanden.

Kommentar hinzufügen