Von der Stadt aufs Land: Umsiedelung staatlicher Arbeitsplätze in Dänemark

von Botschaft & Ständige Vertretung Dänemarks, Wien
08.01.2018

„Bessere Balance“ - so lautet der Titel der Publikation des dänischen Finanzministeriums, die einen Beschluss der dänischen Regierung aus dem Jahr 2015 beschreibt. Es handelt sich um die größte Umsiedelung staatlicher Arbeitsplätze in der Geschichte des Landes. Durch den Beschluss sollen mehr als zehn Prozent der ungefähr 32.000 relevanten staatlichen Arbeitsplätze in der Hauptstadtregion bis Ende 2017 in das übrige Land verteilt werden. Ziel ist es, sowohl gesamte Institutionen als auch einzelne Abteilungen und Teile von Institutionen aufs Land zu verlegen.

 

Mehr Balance und mehr Nähe

Hintergrund des gesamten Projekts ist, dass die dänische Regierung eine offensivere Regionalpolitik anstrebt. Dies bedeutet in erster Linie, dass das Wachstum im privaten Sektor im Fokus liegt. Darüber hinaus ist es jedoch auch wichtig, dass mehr Arbeitsplätze außerhalb der Hauptstadtregion liegen und in stärker ausgeprägter Form auch in anderen Landesteilen vertreten sind. Diese Verteilung kann zwar nicht alleine Wachstum und Entwicklung in diesen Landesteilen herbeiführen, jedoch kann sie dazu beitragen, in einer Region eine gewisse Aktivität zu erzeugen und Entwicklung zu stimulieren. Ziel des Projekts ist es außerdem, die staatlichen Arbeitsplätze geografisch näher an Bürgern und Unternehmen zu platzieren. Durch eine systematische Verteilung, die darauf abzielt, die Arbeitsplätze so zu verteilen, dass zusammenhängende fachliche Milieus und Synergien entstehen können, soll eine bessere Entwicklung im ganzen Land gesichert werden. Derzeit plant die dänische Regierung, 2018 weitere staatliche Arbeitsplätze aus der Hauptstadtregion in den Rest des Landes zu verlegen. Eine genaue Anzahl sowie Platzierung der Arbeitsplätze wurde jedoch noch nicht beschlossen.

 

Verteilt über ganz Dänemark

Zu den Institutionen, die in ihrer Gesamtheit verlegt werden, zählen zum Beispiel die Immigrationsbehörde, die Naturbehörde und die Behörde für Zivile Angelegenheiten. Im Zuge der Umsiedelung werden zudem einige der größeren Behörden, so zum Beispiel die Verkehrs- und Baubehörde, in zwei kleinere Einheiten aufgeteilt, von denen eine in der Hauptstadt verbleibt, während die andere die Region verlässt. Institutionen, die nur teilweise umziehen, sind unter anderem die Steuerbehörde und die Umweltbehörde. Wenn nur kleinere Teile einer Behörde verlegt werden, wird darauf geachtet, diese aus ökonomischen und praktischen Gründen an Orten anzusiedeln, an denen bereits staatliche Arbeitsplätze existieren. Die insgesamt 3.900 betroffenen Stellen sollen konkret in 25 Gemeinden und 38 Städte, die sich in den übrigen vier Regionen Dänemarks, also Seeland, Nordjütland, Mitteljütland und Süddänemark, befinden, umgesiedelt werden. Einem Statusbericht vom Frühjahr 2017 zufolge sind bisher 2.162 Arbeitsplätze erfolgreich verlegt worden. Damit haben bereits 21 der insgesamt 43 in das Projekt mit einbezogenen Institutionen die Umsiedelung abgeschlossen. Eine Analyse zeigt, dass gut 20 Prozent der Mitarbeiter, deren Stellen umgesiedelt wurden, bereits mit ihrem Arbeitsplatz mitgezogen sind oder pendeln. Dies ist abhängig von der jeweiligen Institution und der Zielregion.

 

Umzug des Personals

Der Umsiedelungsprozess betrifft große Teile des öffentlichen Sektors und viele seiner Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Daher wurde der Projektverlauf vom Anfang bis zum Ende von fünf personalpolitischen Leitlinien geprägt, die sicherstellen sollen, dass alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter so gut wie möglich durch den Prozess kommen können. Diese Leitlinien sind erstens  die Gewährleistung einer rechtzeitigen und offenen Kommunikation. Zweitens die Bewahrung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter  und  deren Kompetenzen. Drittens die Unterstützung aller Mitarbeiterinnen und  Mitarbeiter, die nicht mitziehen wollen. Viertens die Unterstützung aller umgesiedelten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter am neuen Standort. Sowie fünftens  die Sicherung eines starken fachlichen Milieus am neuen Standort. Die konkrete Verteilung der Arbeitsplätze wurde auf Grundlage von Plänen der verantwortlichen Ministerien durchgeführt und brachte zum Teil personalbezogene Kosten mit sich (z.B. Abfindungen für Tarifangestellte). Um diese Kosten zu decken, hat die dänische Regierung eine Reserve von 400 Mio. Kronen (ca. 50 Mio. Euro) für 2016 eingeplant. Trotz des Ziels, die Arbeitsplätze so schnell wie möglich zu verlegen, wird erwartet, dass die gesamte Umsiedelung mehrere Jahre beanspruchen wird. Außerdem wird es laut der Regierung nicht ganz vermieden werden können, dass es währen dieser Zeit zu einer verlangsamten Sachbearbeitung kommen kann, da die Institutionen Zeit brauchen,  um am neuen Ort ihre gewohnte Kapazität zu entfalten. 



Informationen zu Botschaft & Ständige Vertretung Dänemarks, Wien

Führichgasse 6, 1010 Wien
vieamb@um.dk







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