Wissenschafts- und Forschungsstrategie Vorarlberg 2020+

von Gabriela Dür


Innovation, Forschung und Entwicklung zählen zu den Stärken des Wirtschaftsstandortes Vorarlberg. Das Land genießt daher einen ausgezeichneten Ruf als attraktiver Standort für innovative, wettbewerbsfähige Unternehmen. Um diesem Ruf auch künftig gerecht zu werden, aber auch einer Empfehlung des Rechnungshofes aus dem Jahr 2013 folgend, hat die Vorarlberger Landesregierung die Abteilungen Wissenschaft und Weiterbildung sowie Allgemeine Wirtschaftsangelegenheiten mit der Erstellung einer abgestimmten und koordinierten Wissenschafts- und Forschungsstrategie des Landes Vorarlberg 2020+ beauftragt. Mit der Strategie soll  einerseits die Basis für einen neuerlichen Innovationsschub und andererseits für zusätzliche Impulse für Vorarlbergs Wirtschaft und wissenschaftliche Einrichtungen gelegt werden.

Im Vorfeld des Strategieprozesses war eine Broschüre[i] zu den Wissenschafts- und Forschungseinrichtungen im Land sowie zu den für Vorarlberg relevanten Wissenschafts- und Forschungseinrichtungen in den angrenzenden Ländern und Regionen publiziert worden, die einen Überblick über die beeindruckende Vielfalt der Einrichtungen und deren Leistungsprofile gibt. Neben der Fachhochschule, V-Research, dem Institut für Textilchemie, die die Unternehmen bei der Entwicklung innovativer Produkte unterstützen und attraktive Arbeitsplätze für junge, engagierte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler bieten, werden zunehmend auch im VIVIT - dem Vorarlberg Institut für Vaskuläre Medizin, im Institut für Atemgasanalytik und an der Pädagogischen Hochschule interessante Forschungsstellen für Nachwuchswissenschaftler/innen geschaffen. Daneben gibt es eine beeindruckende Zahl von kleineren wissenschaftlichen Einrichtungen, Instituten oder Vereinen, welche sich mit der Aufarbeitung vorarlbergrelevanter Forschungsfragen beschäftigen.

Mit der Wissenschafts- und Forschungsstrategie des Landes Vorarlberg wurde daher das Ziel verfolgt, bestmögliche Rahmenbedingungen für eine nachhaltige und positive  Weiterentwicklung von Wissenschaft, Forschung und Innovation in Vorarlberg zu schaffen und Impulse für gesellschaftliche, wirtschaftliche und kulturelle Entwicklungen zu setzen.

Begleitet wurde der Strategieprozess von einem externen Expertenteam[ii], von welchem als Grundlage für die Festlegung der Ziele und Handlungsfelder eine fundierte SWOT-Analyse (Stärken, Schwächen, Chancen, Herausforderungen) erstellt wurde. Wie diese Analyse unter anderem ergab, liegt das Vorarlberger Pro-Kopf-Regionalprodukt mit ca. 40.000 Euro bei den höchsten in Europa. Außerdem weist Vorarlberg mit 50,5 Prozent die höchste Lehrlingsquote in Österreich auf. Etwa 93 Prozent der unselbständig Beschäftigten arbeiten in Familienbetrieben, auf die 89 Prozent der Umsatzerlöse entfallen. Mit einer überdurchschnittlich hohen Patentanmeldequote belegt das Land Vorarlberg die effiziente Transformation von Wissen in Wertschöpfung.  Zugleich jedoch liegt Vorarlberg mit einer F&E-Quote von 1,66 Prozent deutlich unter dem Österreich-Schnitt von 2,97 %. Hier gibt es Aufholbedarf.

Als eine wesentliche Zielrichtung aus den insgesamt sechs strategischen Zielen und Handlungsfeldern ergibt sich somit eine weitere zielgerichtete Forcierung des Ausbaus der bestehenden überbetrieblichen bzw. außeruniversitären Forschungseinrichtungen - allen voran der Fachhochschule Vorarlberg und der größeren Forschungseinrichtungen wie eingangs erwähnt.  Dazu wird eine Erhöhung der Forschungsausgaben auf allen Ebenen, nämlich landes, bundes- und unternehmensseitig angestrebt. Denn wie die SWOT-Analyse ebenfalls ergab, fließen Fördermittel des Bundes für Wissenschaft und Forschung verstärkt in Standorte mit Universitäten und großen Forschungseinrichtungen. Vorarlberg wird sich daher künftig verstärkt um einen Dialog mit dem Bund zum Ausbau und zur Finanzierung der Wissenschafts- und Forschungsstrukturen in Vorarlberg bemühen.

Unternehmensspezifische überbetriebliche Forschungsaktivitäten in Kooperation mit Unternehmen zu fördern und attraktive Arbeitsplätze in den Wissenschafts- und Forschungseinrichtungen zu schaffen, ist eine wichtige Maßnahme für die Zukunft. Kooperationen mit wissenschaftlichen Partnern, wie Universitäten und Forschungseinrichtungen in anderen Bundesländern und im Bodenseeraum bieten dafür gute Möglichkeiten. So können junge Wissenschaftlerinnen im Rahmen gemeinsamer Doktorandenprogramme in den Forschungseinrichtungen vor Ort arbeiten oder durch den Brückenschlag zu Forschungseinrichtungen im benachbarten Raum nützliche Synergien geschaffen und dadurch die Potentiale deutlich gesteigert werden.

Aber nicht nur der Bereich der unternehmensspezifischen, innovationsfördernden Forschung und Entwicklung soll weiter gestärkt werden. Auch im Bereich der Geistes-, Sozial- und Kulturwissenschaften sollen im Rahmen vorarlbergspezifischer Forschungsprojekte Akzente gesetzt werden. Im Fokus der Ziele und Maßnahmen stehen aber jene Bereiche, die im Rahmen der Smart Specialisation definiert wurden: Smart Textiles, Energie- und Energieeffizienz, Intelligente Produktion sowie Mensch und Technik. Auf dem zielgerichteten weiteren Ausbau dieser Stärkefelder wird das Hauptaugenmerk der Maßnahmen und der Förderung in den kommenden Jahren liegen.

Für die einzelnen Ziele und Handlungsfelder wurden umfangreiche Maßnahmenbündel definiert, deren erfolgreiche Umsetzung und Wirkung anhand von Kennzahlen in regelmäßigen Abständen evaluiert werden soll. Ein erster Evaluationsbericht soll im Jahr 2018 vorgelegt werden.


[i] Wissenschaft und Forschung in Vorarlberg – ein Überblick, Amt der Vorarlberger Landesregierung, Juli 2014

[ii] Pöchhacker Innovation Consulting



Informationen zu Gabriela Dür

Mag. Gabriela Dür ist seit 2003 Vorstand der Abteilung Wissenschaft und Weiterbildung beim Amt der Vorarlberger Landesregierung, seit 2009 Vorsitzende der Kommission Bildung, Wissenschaft und Forschung der Internationalen Bodenseekonferenz

Gabriela.Duer@vorarlberg.at


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