Zusammenarbeit der Universitäten in der Europaregion

von Tilmann Märk
30.12.2014


Seit der Unterzeichnung der Absichtserklärung zwischen den Universitäten Bozen, Innsbruck und Trient am 5. Mai 2012 unter den Auspizien der zuständigen Minister Karlheinz Töchterle und Francesco Profumo, hat sich viel getan und vieles ist noch zu tun, auf dem Weg, die grenzüberschreitende Zusammenarbeit durch Mobilität der Studierenden, Forschenden und Lehrenden attraktiv zu gestalten sowie die Lehrangebote und Forschungsprofile zu bereichern.

Getan wurde viel im Bereich der Sondierung von Interessen und Möglichkeiten auf allen Ebenen, der Forschung, Lehre und Administration. Die sogenannten Euregio Cooperation Days (Research, Teaching, Administration) stellen bottom up-Instrumente dar, die gezeigt haben, dass das Interesse an der Zusammenarbeit in der Europaregion sehr groß und jede Menge Potential an unseren Universitäten vorhanden ist. Ein weiteres Resultat dieser Vernetzungstreffen ist die Notwendigkeit, dass FachvertreterInnen direkt miteinander ins Gespräch kamen und sich über die unterschiedlichen Universitäts- und Studienrechtskulturen klar werden konnten. Wie jüngst die Tagung „Rechtliche Möglichkeiten universitärer Zusammenarbeit in der Europaregion“ am 4. Dezember 2014 in Innsbruck (Veranstalter: Europaregion Tirol-Südtirol-Trentino (EVTZ) in Zusammenarbeit mit der Euroregionalen Vereinigung für vergleichendes öffentliches Recht und Europarecht und der Rechtswissenschaftlichen Fakultät der Universität Innsbruck) sehr anschaulich gezeigt hat, sind die studien- und universitätsrechtlichen Rahmenbedingungen zwischen Italien und Österreich sehr unterschiedlich. Vom Arbeitsrecht über das Studienrecht, bis hin zur Anrechnung von Credits und Studientiteln müssen viele Aspekte berücksichtigt werden. Daher ist eine fundierte Kenntnis der nachbarschaftlichen Gegebenheiten und Ansprechpartner auf verschiedenen Ebenen unabdingbar für eine erfolgreiche Zusammenarbeit. 

Denn nur durch abgestimmte administrative Vorgänge, einem klar geregelten Zugang zum Lehrangebot und den universitären Einrichtungen und Dienstleistungen an allen drei Universitäten können wir unsere Studierenden motivieren, die Chancen, die sich ihnen „vor der Haustür bieten“ zu nützen. Wir wollen damit v.a. jenen Studierenden, die nicht an Austauschprogrammen mit fernen Universitäten teilnehmen können, die Möglichkeit geben, in unmittelbarer Nähe internationale Erfahrungen zu sammeln und ihre Kenntnisse in mehreren europäischen Sprachen erproben und verbessern zu können. Längerfristig ist dann der Ausbau des Studien- und Lehrangebots an den Partneruniversitäten ein Ziel, das etwa durch die Auslotung von sinnvollen, zukunftsträchtigen gemeinsamen Schwerpunkten und die darauf aufbauende Entwicklung von grenzüberschreitenden Kooperationen mit abgestimmtem Lehrangebot und geregelter Anerkennung erreicht werden kann.

Die Intensivierung der Vernetzung und des Austauschs von unseren WissenschaftlerInnen und die Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses sind ein Muss. Der globale Wettbewerb in der öffentlichen und privaten Finanzierung wird zunehmend härter und unsere grundsätzlich guten Universitäten werden nicht immer in der Lage sein können, diesem internationalen Druck zu widerstehen. Die Zeiten, im Alleingang zu handeln und sich mit den Ergebnissen auf nationaler Ebene zu begnügen, sind vorbei. Gemeinsam können wir anspruchsvollere Ziele anstreben, einen Mehrwert schaffen und zu einer Stärkung des Forschungsstandortes Europaregion beitragen. 

Damit diese Vorhaben nicht leere Phrasen und die oben genannten Initiativen nicht einmalig bleiben, war die Finanzierungszusage der drei Landeshauptleute von Tirol, Südtirol und dem Trentino grundlegend und wichtig, um sichtbare Initiativen auf allen oben genannten Ebenen zu starten und Anreize zu schaffen. Für die kommenden drei Jahre stellen sie mit dem Euregio-Forschungsförderungsfonds eine Million Euro für alle Forschungseinrichtungen in der Europaregion zur Verfügung. Die erste Ausschreibung der Mittel in Zusammenarbeit mit dem FWF ist für Ende 2014 geplant. Mit den zusätzlich 100.000 Euro pro Jahr aus dem Mobilitätsfonds für die drei Universitäten soll der Austausch von Studierenden und Lehrenden erleichtert werden. Auch diese Mittel werden Anfang 2015 an den Universitäten zur Ausschreibung kommen.

Diese nunmehr verstärkte Zusammenarbeit auf universitärer Ebene in der Europaregion – es gab ja schon bisher viele bilaterale Kooperationen in Forschung und Lehre - wird dazu beitragen, den Austausch unter unseren Forscherinnen und Forschern, unseren Studierenden und MitarbeiterInnen weiter zu intensivieren und auszudehnen. Vor allem wird sie uns erleichtern, gemeinsame Forschungsprojekte und Studien zu entwickeln sowie Know-how in der Verwaltung auszutauschen. Wir sind überzeugt davon, dass wir damit einen wichtigen Beitrag dazu leisten können, die Zusammenarbeit innerhalb unserer Europaregion zu intensivieren und so deren erfolgreiche Entwicklung nachhaltig zu unterstützen.

 

 

 

 

 



Informationen zu Tilmann Märk

Der Autor Univ.-Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Tilmann Märk ist Rektor der Leopold Franzens Universität Innsbruck
http://www.uibk.ac.at/rektorenteam/rektor/

Foto: mariorabensteiner.com

rektor@uibk.ac.at


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