Das Forum of Federations – was es macht und warum es wichtig ist
von Hans Altherr, 01.01.2026Das Forum of Federations (kurz: Forum, www.forumfed.org) ist eine in unseren Breitengraden viel zu wenig bekannte Organisation, weshalb ich sie als Chair des Board of Directors hier kurz vorstellen möchte. Das Forum wurde in der Folge einer grossen Konferenz in Mont Tremblant, Québec, Kanada, 1999 vor dem Hintergrund des 2. Referendums in 1995 zur Unabhängigkeit in Quebec gegründet. Hatte es zunächst das Ziel, die innerkanadische Diskussion durch Erfahrungen anderer Föderalstaaten zu bereichern, so hat sich die Organisation sehr schnell internationalisiert, insbesondere durch die Unterstützung der Schweiz. Diese trat 2002 im Zuge der 2. grossen Internationalen Föderalismuskonferenz bei, die in St. Gallen stattfand. Danach folgten als weitere Mitgliedsländer: Australien, Äthiopien, Brasilien, Deutschland, Kanada, Indien, Mexiko, Nigeria, und Pakistan. Österreich war zur Zeit der Regierung Schüssel II dem Forum beigetreten; die Nachfolgeregierung liess die Mitgliedschaft dann allerdings einschlafen. Sollte sich Österreich wieder als Mitglied einbringen wollen, wäre das im Forum natürlich sehr willkommen.
Für das Forum ist Föderalismus ein allgemeines, neutrales, institutionelles Konzept, das nicht «verkauft», sondern zur Verfügung, zur Diskussion gestellt werden soll. Inhaltlich wird auf zwei Säulen gearbeitet, dem Erfahrungsaustausch einerseits und der Unterstützung von Staaten, die den Föderalismus oder die Dezentralisierung fördern und stärken wollen, anderseits.
Der Erfahrungsaustausch unter dem Label «Learning from each other» geschieht in Konferenzen, vor allem aber in wissenschaftlichen Werken, die in der Regel einem bestimmten Thema wie dem Schulwesen, der Sicherheit, der IT usw. in föderalen Staaten gewidmet sind. Immer wieder wurde auch Österreich in diese vergleichenden Studien einbezogen, namentlich dank einer engen und fruchtbaren Zusammenarbeit mit dem Institut für Föderalismus in Innsbruck.[1] Die Vielfalt der in den verschiedenen Themen getroffenen Lösungen ist erstaunlich und sehr inspirierend.
Die zweite Säule ist die anspruchsvollere. Die Unterstützung anderer Staaten setzt deren Willen zu mehr Föderalismus, Dezentralisierung oder Intergouvernementaler Zusammenarbeit voraus. Die so entstehenden Projekte sind mittel- bis langfristig und laufen daher Gefahr, bei einem Regierungswechsel oder in Krisensituationen aus dem Fokus zu geraten. Gerade in den letzten Jahren sind verschiedene dieser langfristigen Projekte ins Stocken geraten. Dazu kommt, dass es viele Regionen und Länder gibt, die durchaus an Föderalismus und Dezentralisation interessiert wären, wegen Kriegen oder Bürgerkriegen ihre Prioritäten aber anders setzen müssen.
Deshalb und aus der Erkenntnis heraus, dass die vom Forum geförderten Strukturen interessierte, politisch gebildete und aktive Bürgerinnen und Bürger zwingend voraussetzen, werden zunehmend auch Projekte durchgeführt, die diese Fähigkeiten in bestimmten Ländern oder Regionen unterstützen und stärken, namentlich auch mit jungen Menschen.[2] Diese Programme, in verschiedenen Ländern und mit verschiedenen Partnern durchgeführt, sind – wie die Evaluationen zeigen[3] – meist sehr erfolgreich. Sie belegen, dass Föderalismus und Dezentralisation aktive und gut informierte Menschen voraussetzen.
Zusammenfassend darf festgehalten werden, dass das Forum of Federalism sich in den letzten 25 Jahren sich aus bescheidenen Anfängen zu einer beachteten, verlässlichen und geschätzten Organisation entwickelt hat, die weltweit Bestrebungen zu mehr Föderalismus und Dezentralisation fördert.
[1] Zum Beispiel Peter Bussjäger, Federalism and Education in Austria; in Wong, Knüpling, Kölling, Chebenova; Federalism and Education: Ongoing Challenges and Policy Strategies in Ten Countries, Information Age Publishing Inc., 2018, Seiten 43-61. Peter Bussjäger und Christoph Schramek, Austria (Federal Republic of Austria) Balancing Distributes Federalism with Centralization; in Griffiths, Chattopadhyay, Light, Stieren; The Forum of Federations Handbook of Federal Countries 2020, Palgrave Macmillan, 2020, Seiten 41-52. Peter Bussjäger, Intergovernmental Relations in Austria: Co-operative Federalism as Counterweight to Centralized Federalism; in Poirier, Saunders, Kincaid; Intergovernmental Relations in Federal Systems, Comparative Structures and Dynamics, Oxford University Press, 2015, Seiten 81-107.
[2] Weiterführend die Jahresberichte des Forums (in Englisch) auf https://www.forumfed.org/annual-reports-and-evaluations/ (abgerufen am 8.12.2025)
[3] Siehe Results Reports and Audited Financial Statements (in Englisch) auf https://www.forumfed.org/annual-reports-and-evaluations/ (abgerufen am 8.12.2025)
Informationen zu Hans Altherr
Dr. Hans Altherr ist Chair des Board of Directors des Forum of Federations mit Sitz in Ottawa, Kanada. Früher hat er in der Schweiz auf allen drei Staatsebenen gedient, als Gemeindepräsident von Trogen AR, Mitglied des Regierungsrates und Landammann des Kantons Appenzell Ausserrhoden und als Mitglied und Präsident des Ständerates in Bern. Daneben engagierte er sich immer auch in interkantonalen und internationalen Gremien, z.B. als Präsident der Konferenz der Ostschweizer Regierungen und der Internationalen Bodenseekonferenz IBK. hans.altherr@gmx.ch
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